TL;DR
Manus AI ist eine neue agenten-basierte KI aus China, die auf komplexe Tasks spezialisiert ist. Ihre Antwortzeit beträgt Minuten bis Stunden. Die Ausführung wird ab und zu durch sinnvolle Rückfragen an den Benutzer unterbrochen. Die Ergebnisse sind beeindruckend. Die Kosten sind etwas unklar.
Manus AI – private Beta
Am 6. März 2025 wurde Manus AI gelauncht. Anfang April 2025 erhielt ich die Einladung in die Manus AI private Beta. Unter https://manus.im/ kann sich jeder registrieren. Mittels eines Vorschlags zur Nutzung der KI, kann man versuchen, einen Platz zu ergattern. Ich hatte Glück – mein Vorschlag war die Planung einer Familienreise nach Shanghai im Sommer.

Das Interface
Gesagt – getan: nach dem Login präsentiert sich das User Interface von Manus minimalistisch, aufgeräumt, reduziert. Das gefällt mir persönlich sehr gut, weil es meine Ablenkung auf ein Minimum reduziert. Soweit hier nichts außergewöhnliches. Außer vielleicht, dass man den Denkaufwand von „Standard“ auf „Hoher Aufwand“ setzen kann. Ich habe mich mit Standard begnügt. Auf der rechten Seite sieht man die Anzeige der noch verbleibenden Credits. Credits sind sozusagen die Währung bei Manus. Jede Anfrage kostet Credits. Doch dazu später.

Der Prompt
Ein Prompt mit unseren Wünschen und Bedürfnissen ist schnell geschrieben. In etwas zensierter Form mit KAPITALEN Platzhaltern lautete der Prompt in etwa so:
Ich reise VON BIS mit der familie nach shanghai. das ziel ist, uns eine schöne, reise zu planen. wir leben in österreich, FAMILIENDATEN UND ALTER. wir wollen in shanghai eine mischung aus WUNSCH, bevorzeugt außerhalb der stadt, sowie falls möglich WUNSCH und WUNSCH machen. wir sind noch völlig flexibel mit unterkünften. wir wollen an FOLGENDERMAßEN WOHNEN. wir wünschen uns abwechslungsreiche unterkünfte, vom chiquen hotel bis zur traditionellen oder ausgefalleneren unterkunft. schön waren FOLGENDE EXTRAWÜNSCHE. bitte mach zuerst einen ungefähren vorschlag und lass uns diesen nach und nach verfeinern.
Die chiquen Unterkünfte habe ich oben im Prompt extra stehen lassen. Diese Anweisung hatte unerwartete Konsequenzen im Ergebnis. Dazu später.
Manus antwortet kurz mit der Bestätigung, was es zu tun hat. Und bittet um einen Moment Zeit, um einen ersten Vorschlag auszuarbeiten. Das ist schon eine erste Sache, die man so von anderen KI Systemen und LLMs nicht kennt. Da kommt die Antwort sofort. (Wobei die neuen Modelle sich optional etwas längere Denkzeit nehmen können.). Nicht so bei Manus. Manus geht einen anderen Weg.
Der Weg: Aktionen
Manus AI beschreibt kurz seine Aktionen und führt diese dann durch. Die Details der einzelnen Schritte können eingesehen werden. Dabei fällt auf, dass es verschiedene Arten von Aktionen kennt und ausführt:
- Linux Befehle, z.B. Erstellung von Ordnern
- Erstellung und Bearbeitung von Dateien
- Suche
- Webbrowsen
- Scrollen
- Klicken

Hier wird das Prinzip von Manus klar: es startet eine virtuelle Maschine und verfügt über einen Befehlssatz zur Bedienung!
Kurze Auffrischung: eine virtuelle Maschine ist ein „Computer im Computer“, sozusagen ein kleines Programm, dass so tut als wenn es ein Linux Computer wäre. Und davon kann man viele viele gleichzeitig auf einem Computer laufen lassen. Der Vorteil hier: so eine virtuelle Maschine ist von der Umgebung komplett abgeschottet – da kann kein Schaden entstehen.
Eine virtuelle Maschine. Das ändert alles! Warum? Weil Manus nun organisiert mit Dateien arbeiten kann. Der Beweis ist hier: klickt man auf einen Befehl, so öffnet sich „Manus’s Computer“.

Die KI startet – vermutlich – eine Ubuntu Linux virtuelle Maschine, legt zuerst einen neuen Ordner an und begibt sich in den Ordner. Dann legt sie eine todo.md Markdown Datei an und legt in dieser Datei strukturiert einen kurzen Plan, eine Todo Liste in Form von Notizen an. Dann arbeite die KI diese Todo Liste ab. Zuerst recherchiert sie im Web. Dabei kann die KI Webseiten öffnen. Und: eigentlich klar, aber tatsächlich nicht einfach: nach unten Scrollen. Um nach den gewünschten Ergebnissen zu suchen. Danach aktualisiert Manus die Todo Liste.

Eine Markdown Datei ist übrigens normaler Text. In dem spezielle Zeichen für Formatierungen stehen. Ein # steht für eine Überschrift 1, zwei ## stehen für eine Überschrift 2. Wikipedia nutzt genau das.
Es braucht Zeit
Manus fährt fort und wenige Minuten später meldet es sich wieder mit einer passenden Rückfrage. Ich antworte und Manus arbeitet weiter. Es dauert alles in allem ungefähr eine halbe Stunde. Dann präsentiert die KI den kompletten Reiseplan als ordentlich formatierten Text. Den ich auf Wunsch auch als PDF herunterladen kann.

Die Ergebnisse
Die Ergebnisse überzeugen mich. Die Reiseziele sind realistisch und attraktiv. Unsere Vorgaben sind eingehalten worden. Ein Erfolg! Was ich allerdings nicht bedacht habe: die chiquen Hotels. Da ich kein Budget lestlegte – im Nachhinein betrachtet ein Anfängerfehler – schaute Manus nicht auf das Reisebudget. Also schlug es die Übernachtungen in der Stadt gleich im Waldorf-Astoria Shanghai vor :-). Nun gut, nett. Aber doch nicht das, was wir wollten. Lässt sich mit einem weiteren Prompt ändern. Oder vielleicht doch ins Waldorf-Astoria?
Die Kosten
Die Währung bei Manus sind Credits. Credits werden bei den Aktionen von Manus verbraucht. Dabei muss ich kritisieren, dass nicht transparent klar ist, was wieviele Credits verbraucht. Die Beschreibung ist sehr vage gehalten. Klar gehen Credits for LLM Tokens drauf. Aber wie und wieviele? Fehlanzeige. Manus zeigt aber immerhin einige typische Verbrauche.

Bei der Registrierung erhält man 1000 Credits geschenkt. Danach muss man ein Abo abschließen. Für 39,- € pro Monat erhält man 3900 Credits. Der Wechselkurs ist hier offensichtlich. Eine komplexe Anfrage kann aber schon mal 500 oder gar 1000 Credits fressen. So sind nur ein paar Aufgaben im Monat möglich. Mal sehen, wohin sich das entwickelt.
Die App
Gibt’s natürlich auch. Achtung, hier gibt es mehrere, die ähnlich heißen, aber nicht von Manus sind.
Steckt dahinter: Butterfly Effect und Xiao Hong
Informationen sind hier rar. Angeblich entwickelt von einem chinesischen StartUp namens Butterfly Effekt. Google bringt hier aber keine Links zum Unternehmen. Laut Hybrid-Rituals steckt ein Xiao Hong dahinter. Aber auch hier, gibt es kaum Informationen.
Links
Zur weiteren Nachlese empfehle ich folgende Links.
- Manus AI: https://manus.im/
- Review: https://www.technologyreview.com/2025/03/11/1113133/manus-ai-review/
- Hintergründe: https://hybrid-rituals.com/everything-we-know-about-the-founder-of-manus-ai-so-far/
- Schöne Anwendungsbeispiele: https://generativeai.pub/manus-the-ai-thats-quietly
- Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Manus_(AI_agent)
Das Erlebnis
In der Diskussion um den aktuellen Stand von KI hat ein Freund den Begriff „wie ein 18-jähriger Praktikant“ fallen lassen. Und das trifft auf Manus AI sehr gut zu. Es verhält sich wie der 18-jährige Praktikant im Unternehmen. Es führt die Befehle exakt aus. Ist geschickt. Arbeitet rasch. Ohne dass ihm die Energie ausgeht. Und tut genau das, was man ihm sagt. Und denkt keinen Millimeter über die ursprüngliche Anweisung hinaus. Und das ist auch gut so. Ein simpler Assistent, der zeitraubende, lästige Aufgaben zügig erledigt. In etwa so wie mein KI Cocktail Bot Karl-Iris der 25001 – mit wenig Charakter, aber fleißig.
Christian